Vertragsrisiken beachten

wohnblockWie so oft, war das Thema Risiken bei Bauverträgen auch bei meinem letzten Bauherrenseminar bei der VHS Günzburg ganz wichtig. Wenn Sie schlüsselfertig bauen wollen, ein Fertighaus kaufen oder von einem Bauträger ein Reihenhaus oder eine Eigentumswohnung erwerben wollen, immer erhalten Sie vom ihrem Partner einen Vertrag vorgelegt, den Sie als Laie unterschreiben sollen. Bei notariell beurkundeten Verträge sollte der Notar darauf achten, dass es keine Vertragsfallen gibt und Ihnen alle Ihre Fragen erschöpfend beantworten. Dies geschieht auch in der weit überwiegenden Mehrzahl der Fälle, es gibt aber leider immer wieder Ausnahmen, vor allem aber habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele Käufer zu wenig fragen und dann einen Vertrag unterschreiben, den Sie nicht in letzter Konsequenz verstanden haben.

Daher möchte ich Ihnen einige Tipps geben, wie Sie mit der Situation des Vertragsabschlusses umgehen sollen.

  • Lassen Sie sich den Vertrag immer einige Tage vor dem geplanten Abschluss aushändigen, damit Sie in prüfen oder in prüfen lassen können. Selbst prüfen dürfte für den Laien nicht ganz einfach sein, allerdings gibt es durchaus Fachbücher, die über unzulässigen Vertragsklauseln in Bauverträgen informieren. Das kann hilfreich sein, wenn man ein klein wenig von der Materie versteht, man kann sich im Netz bei Baurechtsspezialisten schlau machen, gut, das ist nicht kostenfrei, aber ein Klacks gegenüber den Risiken, die Ihnen blühen können, wenn Sie einen Vertrag ungeprüft unterschreiben. Sie können ggf. auch die Verbraucherzentrale befragen oder ganz live mit einem Anwalt reden. Aber achten Sie darauf, dass dieser über genügend Erfahrung im Baurecht verfügt, das Sie z.B. bei einem auf Scheidungen spezialisierten Anwalt nicht voraussetzen sollten.
  • Fallen bei der Prüfung Vertragspassagen auf, die geklärt werden müssen, dann bestehen Sie darauf, dass diese rechtzeitig vor Vertragsabschluss geklärt werden, denn Sie müssen ggf. die Erklärung oder die überarbeitete Fassung wieder prüfen und das geht nur in Ruhe und nicht während des Vertragsabschlusses.
  • Lassen Sie sich beim Vertragsabschluss nie unter Zeitdruck setzen, vor allem nicht bei Verträgen, die keines Notars bedürfen.
  • Wenn es in einem Vertrag sehr viele zu beanstandende Punkte gibt, sollten Sie sich ganz ernsthaft fragen, ob Sie mit dem richtigen Partner verhandeln, denn entweder wollte und will sich dieser übervorteilen oder – und das ist auch nicht besser – ihr Partner weiß nicht, was in seinen eigenen Verträgen wirklich drinsteht. Ich würde mit so einem Vertragspartner nach Möglichkeit nicht zusammenarbeiten wollen.
  • Lassen Sie sich nie von einem Verkäufer mit mündlichen Erklärungen abspeisen, sondern bestehen Sie auf die Schriftform. Nur dann haben Sie im Streitfall eine reelle Chance zu beweisen, was vereinbart war.
  • Achten Sie darauf, dass die Änderungen rechtsgültig von Ihrem Vertragspartner unterzeichnet sind, die meisten Hausverkäufer sind dazu nicht berechtigt. Wenn also der Verkäufer z.B. etwas handschriftlich in einen Vertrag einträgt und Sie diesen geänderten Vertrag unterschreiben, kann die Geschäftsleitung sich überlegen, ob sie ihr Vertragsangebot annehmen will oder nicht, Sie selbst haben sich aber bereits gebunden. Eine für mich wenig befriedigende Situation.

 

Weitere Tipps zu Vertragsverhandlungen und zum Vertragsabschluss werde ich Ihnen demnächst hier vorstellen.

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